„Die Begeisterung muss weitergetragen werden“: Manfred Saake.


„Es gibt viele positive Signale“

Der Phaeton etabliert sich in der automobilen Oberklasse / Interview mit Manfred Saake*

Herr Saake, am 31. Mai 2002 ist Volkswagen mit der Markteinführung des Phaeton in Deutschland in die automobile Oberklasse eingestiegen. Wie fällt Ihre Bilanz nach zweieinhalb Jahren aus?

Mit dem Phaeton hat Volkswagen sich auf Anhieb in der automobilen Oberklasse etabliert. Durch Produkteigenschaften wie dem kraftvollsten Dieselmotor in seinem Segment, einer zugfreien Klimatisierung des Innenraums und einem zur Serienausstattung gehörenden Allradantrieb ist der Phaeton in vielen Punkten Maßstab seiner Klasse. Besonders freut mich, dass dem Phaeton immer wieder eine hervorragende Verarbeitung bescheinigt wird. Dieses zusammen bildet eine sehr gute Grundlage für den Erfolg des Phaeton. Es gibt aber auch noch Themen, an denen wir arbeiten müssen. Die Zeit von der Bestellung beim Händler bis zur Auslieferung an den Kunden muss weiter optimiert werden. Auch an einer weiteren Verbesserung des Services für unsere anspruchsvolle Kundschaft muss permanent gearbeitet werden.

Den Zulassungszahlen zufolge tut sich der Phaeton auf dem Markt noch schwer...

Es gibt viele positive Signale bei den Zulassungszahlen. So steigt der Verkauf in Deutschland stetig an. In der Zulassungsstatistik haben wir in Deutschland den vierten Platz vor Mitbewerbern wie Jaguar und Lexus gesichert. In Amerika gehen die Absatzzahlen nach oben. Auch vom chinesischen Markt versprechen wir uns interessante Entwicklungen. Weiterhin sehe ich noch Potenzial in Westeuropa. Alle Mitarbeiter, die mit dem Phaeton zu tun haben, müssen sich weiterhin kräftig anstrengen, um die Zulassungszahlen weiter nach oben zu treiben.

Welche Bedeutung hat der Phaeton für das Image der Marke Volkswagen?

Volkswagen kann zurecht stolz sein, mit so einem tollen Produkt auf dem Markt zu sein. Zusammen mit dem Touareg runden wir unsere Produktpalette nach oben ab. Ich sehe uns mittelfristig in puncto Image auf einer Stufe mit den anderen deutschen Premiumherstellern. Dieses kann allerdings nur gelingen, wenn der Stellenwert des Phaeton im eigenen Haus weiter gefestigt wird. Der Phaeton ist das Top-Produkt der Marke Volkswagen, das sollte jeder Mitarbeiter auch so nach außen vertreten.

Profitieren von diesem Imagegewinn auch andere Modelle, beispielsweise der Golf?

Ja. Ich sehe es tagtäglich an unseren Kunden und Besuchern in der Gläsernen Manufaktur, wie begeistert Menschen von den Volkswagenprodukten sind. Sie sehen unsere Produktpalette mit anderen Augen, wenn wir ihnen den Phaeton und auch die Gläserne Manufaktur gezeigt haben. Diese Begeisterung, die ich hier in Dresden erlebe, muss weitergetragen werden. Damit kämen wir auch um manche kritische Presseberichterstattung herum, die uns in letzter Zeit beschäftigte.

Wie lange braucht Volkswagen Ihrer Einschätzung nach, um sich im Oberklassen-Segment dauerhaft zu etablieren?

Die Frage ist, wie definieren Sie „etablieren“? Ab wann ist ein Modell für Sie etabliert? Wie vorhin erwähnt, haben wir es bereits geschafft, uns in den deutschen Zulassungszahlen mit dem Phaeton vor Jaguar und Lexus wiederzufinden. Die technische Ausgefeiltheit des Wagens spricht uns seit Markteinführung niemand ab. Dies zeigt sich besonders in der Berichterstattung der Fachpresse. Wenn Sie also einzig auf die Verkaufszahlen abzielen, möchte ich Sie bitten, sich beispielsweise der ersten vorsichtigen Schritte von BMW und Audi zu erinnern. Man darf daher keinen zu kurzen Atem haben.

Was sagen Sie den Kritikern der „Premium-Strategie“?

Wenn Sie bei dieser Frage speziell an den Phaeton denken, kann ich Ihnen nur sagen: Der Schritt von Volkswagen in die automobile Oberklasse war richtig und wichtig. Volkswagen musste sich auf dem Markt neu ausrichten und sein Angebot auch über das Passatsegment hinaus erweitern, um den sich entwickelnden Ansprüchen der Volkswagenkunden zu begegnen. Der Begriff „Premium“ trifft aber auch auf unsere Volumenmodelle zu. Auch der Golf ist zum Beispiel im Vergleich zu anderen Fahrzeugen seiner Klasse ein Premium-Produkt.

Sie sind seit dem 1. Januar 2003 Geschäftsführer der Gläsernen Manufaktur. Was war für Sie die bisher wichtigste Erfahrung?

In Dresden wird ein neues Produkt in einem neuen Gebäude mit einem neuen Fertigungsverfahren und einer neuen Mannschaft gebaut. Bei jedem dieser vier Aspekte habe ich ganz neue Erfahrungen gemacht, positive wie negative. Sehr wichtig für mich ist, dass die Mitarbeiter in Dresden hinter ihrem Produkt stehen. Eine Umfrage zu den Konzernleitlinien hat gezeigt, dass 95 Prozent der Mitarbeiter stolz sind, in der Manufaktur und für den Phaeton zu arbeiten.

Ein Erlebnis werde ich mein Leben lang nicht vergessen: Meine Tätigkeit in Dresden begann in der Zeit des Elbehochwassers. Unter Kerzenschein wurde ich als letzter Gast mit einem kleinen Boot aus meinem Hotel evakuiert. Kurz darauf wurde das Logistikzentrum der Manufaktur überschwemmt. Mit einer solchen Ausnahmesituation konfrontiert zu sein, ist eine ganz besondere Erfahrung.

Welche Neuerungen wird es beim Phaeton geben?

Die wichtigste Neuerung ist der V6 TDI, der Ende des Jahres zum Verkauf ansteht. Ich bin die ersten Vorserienfahrzeuge mit dieser Motorisierung gefahren, er macht auf mich einen tollen, harmonischen Eindruck. Von diesem Motor erwarte ich einen weiteren Schub nach vorne. Die Produktpalette wurde Ende Mai komplett auf Allradantrieb umgestellt. Das bietet kein Mitbewerber in dieser Klasse. Ansonsten gibt es in vielen Details Neuerungen, wie zum Beispiel neue Felgen, eine breitere Farbpalette. Der Wunsch nach individualisierten Phaetons wird immer größer. Der Kunde wünscht Unikatlösungen für sein Fahrzeug. Dieses kann eine tiefergelegte Sitzanlage sein, elektrisch ausfahrbare Tische im Fond oder bestimmte Lackierungen. Dieser Bereich der Individualfahrzeuge ist mittlerweile für den Phaeton sehr wichtig geworden.

Könnten Sie sich die Fertigung eines weiteren Modells in der Gläsernen Manufaktur vorstellen?

Wir prüfen momentan, wie wir die Auslastung im Zweischichtbetrieb verbessern können. Das Bentley-Werk in Crewe hat seine Kapazitätsgrenze nahezu erreicht, somit könnte eine Alternative für Dresden die Produktion einer Anzahl der neuen Bentley Limousinen sein, die in Crewe nicht gefertigt werden können.

Finden Sie noch Zeit, das kulturelle Leben in Dresden zu genießen?

Leider komme ich nur selten in den Genuss, das facettenreiche Dresdner Kulturangebot zu erleben. Ich nehme mir aber immer wieder am Wochenende Zeit, Dresden und seine wunderschöne Umgebung zu entdecken.

*Manfred Saake ist Geschäftsführer der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Die Fragen stellte Dr. Michael Esders.

 

 
Der Touran rollt jetzt auch in China

20 Jahre Volkswagen in China / Volkswagen baut seine Modellpalette weiter aus
lesen Sie hierzu mehr...

Manager mit Akkuschrauber

Dr. Frank von Buch baut am eigenen Dienstwagen / „Management in Practice“
lesen Sie hierzu mehr...

Risiken erkennen und vermeiden

Vereinbarung zur Arbeitsschutzpolitik / Interview mit Günter Sager
lesen Sie hierzu mehr...

Heiße Reifen in Le Castellet

Internationale Pressepräsentation des Golf GTI in Südfrankreich / „autogramm“ war dabei
lesen Sie hierzu mehr...
„Es gibt viele positive Signale“

Der Phaeton etabliert sich in der automobilen Oberklasse / Interview mit Manfred Saake*
lesen Sie hierzu mehr...
Kleine Autos, großer Sport

Der Renn-Polo startet auch im kommenden Jahr im Rahmen der DTM
lesen Sie hierzu mehr...